Archiv vom Mai 2006

Fritz & Fertig - Schach lernen und trainieren


Fritz & Fertig - Schach lernen und trainieren
Terzio, 2002
ISBN 3932992040
€ 20,- (ca.)
(empfohlen ab 8 Jahre)

Rissi. Das Kind das alles wusste

Joke van Leeuwen:
Rissi. Das Kind das alles wusste
Gerstenberg Verlag,
ISBN 3-8067-5102-1
€ 11,90

Die Geschichte in aller Kürze: Eines Tages hat Rissi, bis dahin ein ganz normales Mädchen, ein phänomenales Gedächtnis. Merkwürdig! Und nach einer Weile, nach vielen aufregenden Erlebnissen und einem Auftritt im Fernsehen, hat sie es dann, ebenso plötzlich, nicht mehr.

Merkwürdig? Eigentlich finden nur die Anderen es merkwürdig, denn Rissi selbst weiß ja, was der Grund ihrer wundersamen Verwandlung ist! Gar nicht so leicht, mit so einem Geheimnis zu leben, zu lügen ohne es zu wollen, es aber auch zu genießen und manchmal von der Angst fast zerfressen zu werden.

Zum Glück kann Rissi das Geheimnis am Ende lüften und ihren Eltern die Wahrheit sagen - aber geheimnisvoll bleibt das Alles trotzdem!

Mit leichter Hand, spannend und auch komisch schreibt Joke van Leeuwen über das Leben mit all seinen Untiefen. Was für eine schöne Geschichte!

(empfohlen ab 10 Jahre)

Anton kann zaubern

Ole Könnecke:
Anton kann zaubern
Hanser Verlag, 2006
ISBN 3-446-20693-0
€ 12,90

Ein großes Vorbild hat Anton sich da ausgesucht: The Great Sorcar”, den berühmten indischen Magier. Na, den passenden Hut hat er ja immerhin schon mal.

Und noch etwas hat Anton: den wunderbaren Blick des kleinen Kindes, das alles um sich herum ganz leicht verzaubern kann! Kaum ist ihm der Zauberhut kurz über die Augen gerutscht, schon hat sich seine Welt verändert. Auf diese Weise verschwindet ein Vogel ebenso wie Lukas, der ungläubige Freund. Und auf diese Weise tauchen beide genau zur richtigen Zeit auch wieder auf.

Glücklich, wer sich diesen Blick bewahren kann!

Ole Könnecke ist das gelungen, glaube ich - er hat seine zauberhafte Geschichte mit so wenigen Strichen so ausdrucksstark illustriert, daß man es kaum für möglich hält. Das muß Zauberei sein!

(empfohlen ab 3 Jahre)

Ein Gartenzimmer für mich allein

Sabine Reber, Ursel Borstell:
Ein Gartenzimmer für mich allein
Callwey Verlag, 2006
ISBN 3-7667-1658-1
€ 26,-

Der Titel, dieses Zitat nach Virginia Woolf, hat mich dazu bewogen, das Buch in die Hand zu nehmen, und der Griff hat sich gelohnt - auch wenn es durchaus Dinge gibt, die mich ärgern: Ungenauigkeiten, wie einen Diptam, der mal nach Orangen und - auf der selben Seite - dann wieder nach Zitronen duftet; ein unvollständiger Index (eben jener Diptam kommt z.B. nur mit seinem lateinischen [Dictamnus albus] und seinem volkstümlichen [Brennender Busch] Namen vor, nicht aber als Diptam) und auch, daß das Zitat erst im letzten Kapitel und nur ganz nebenbei erwähnt wird.

Puh, das hätte ich hinter mir: das Negative wäre aufgezählt, nun kann ich beruhigt zu den schönen Seiten des Buches kommen!

Denn es ist, trotz aller Kritik, ein wirklich schönes und sehr ideenreiches Gartenbuch! Unterteilt in Kapitel über Gartenzimmer für jede Jahreszeit, für Genießer und für Floristen, für die Liebe, für die Familie, zum Feiern und schließlich “nur für mich allein”, stellt Sabine Reber die verschiedensten Möglichkeiten vor, wie man seinen Garten als zusätzliches “Zimmer unter freiem Himmel” gestalten kann. Und die Fotografin Ursel Borstell hat das alles wieder einmal (s.u.) so wunderschön fotografiert, daß ihre Aufnahmen allein Grund genug für den Kauf des Buches sind.

Aber auch die Vielfalt, die uns präsentiert wird, ist ganz erstaunlich und anregend. Nur ein Beispiel: im Kapitel über Duftpflanzen werden einmal nicht nur die angenehm duftenden vorgestellt, sondern auch solche, die wie Aas, wie eine Ziege oder gar wie ein nasser Hund riechen! Und endlich ist mal eine Autorin so ehrlich zuzugeben, daß die Pflege z.B. eines Staudengartens durchaus mehrere Stunden Arbeit am Tag (!!) mit sich bringen kann!

Sehr berühmt

Philip Waechter:
Sehr berühmt
Beltz & Gelberg,, 2006
ISBN 3-407-79905-5
€ 9,90

Da hat ja sicher jeder so seine eigenen Vorstellungen, wie es wohl wäre, sehr berühmt zu sein! Auch Philip Waechters namenloser Junge hat sie, (an)rührende Vorstellungen.

Jedes weitere Wort darüber wäre, finde ich, zu viel, denn Waechters Zeichnungen sagen viel mehr, als meine Beschreibung je ausdrücken könnte! Bitte schauen Sie es sich selber an, mit Kindern oder ohne!

(empfohlen ab 4 Jahre)

Sehreise

Elisabeth Walder, Beatrice Zschokke:
Sehreise
Haupt Verlag, 2006
ISBN 3-258-07008-3
€ 32,-

Eigentlich sollte dieses Buch von einer (Kunst-) Pädagogin vorgestellt werden, die gleichzeitig auch über ihre Erfahrungen mit dem hier beschriebenen Malatelier berichten könnte. Oder, noch besser: das Buch würde zur Pflichtlektüre an allen Kindertagesstätten und Schulen erklärt und man müßte es gar nicht mehr vorstellen, weil es jeder, der beruflich mit Kindern und Kunst zu tun hat, schon kennt und Malateliers überall zur Verfügung stehen!

Ich jedenfalls hätte meinen Kindern eine Kita oder eine Schule gewünscht, an der es ein Malatelier gibt - es muß toll sein, unter solchen Bedingungen malen zu dürfen! Da es aber so etwas leider nur an wenigen Schulen gibt, bleibt interessierten Eltern nur die Möglichkeit, ihren Kindern ähnliche Bedingungen im kleinen Rahmen zu Hause zu schaffen.

Worum es eigentlich geht? Es geht darum, “In Kindern Malfreude [zu] wecken”, wie es im Untertitel heißt. Und das geschieht mit Hilfe eines sogenannten Malateliers. Das Wesentliche daran ist es, keinerlei inhaltliche Vorgaben zu machen und sich jedes Kommentars zu enthalten. Weder Lob noch Kritik darf geãußert werden, damit die Kinder wirklich ganz unbeeinflußt und frei genau das malen, was sie aus sich heraus malen mõchten. Damit die Künstler sich voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren kõnnen, auch das ist ganz wichtig, steht eine Betreuungsperson bereit und kümmert sich ausschließlich darum, für optimale Arbeitsbedingungen zu sorgen (z.B. Farbtöpfe nachfüllen oder Pinsel säubern).

Die Theorie dahinter können Sie im Buch von Elisabeth Walder und Beatrice Zschokke nachlesen, die 30 Jahre Erfahrung mit Malateliers haben. Und einen sehr guten Eindruck davon, was sich dort entwickeln kann, vermittelt die beiliegende DVD: nachdem ich die angeschaut hatte, hätte ich am liebsten gleich selbst ein Atelier eingerichtet - und angefangen zu malen…

Enzyklopädie der Alltagsqualen

Hannes Stein:
Enzyklopädie der Alltagsqualen
Eichborn Verlag, 2006
ISBN 3-8218-5769-2
€ 16,90

Zynisch, fies und in weiten Teilen “politisch unkorrekt” ist diese Enzyklopädie von Hannes Stein. Und dabei sehr unterhaltsam!

“Älterwerden”, die “Deutsche Bahn”, “Döner Kebab”, “das “Fernsehprogramm”, der “Frühling”, “Händies”, “Heuschnupfen”, “Kinder”, “Nachbarn”, “Radfahrer”, “Urlaub” und die “Zukunft” sind nur einige wenige der Einträge, die der Autor unter dem Motto “Das Leben ist eine einzige Zumutung” versammelt hat.

Achtung, nur für hartgesottene Leser geeignet!

Lügen haben rote Ohren

Rainer Erlinger:
Lügen haben rote Ohren
List Verlag, 2004
ISBN 3-471-77427-0
€ 14,00

Natürlich muß man sich an Regeln halten, ist doch klar. Oder vielleicht nicht? Warum eigentlich “muß man”?

Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, besonders wenn es konkrete (und noch dazu vielleicht unangenehme) Auswirkungen auf das eigene Leben hat, ist vieles gar nicht mehr so klar! Das erfährt auch Pia, als sie ihre Freundin nicht durch die Wahrheit (sie möchte lieber mit ihrem neuen Freund zusammen sein) kränken möchte, gleichzeitig aber mit der Lüge nicht gut leben kann.

Sie und ihr Bruder Ferdinand diskutieren mit ihren Eltern und einem philosophisch gebildeten Onkel kleine und größere Probleme ihres alltäglichen Lebens und lernen dabei ganz nebenbei die klassische Ethik kennen.

Warum also soll man nicht lügen? Diese und weitere wesentliche Fragen der Moral wie zum Beispiel: “Warum muß man sich an Regeln halten?” “Warum darf man nicht stehlen oder betrügen?” “Muß Strafe sein?” oder “Was ist eigentlich Gerechtigkeit?” bringt Rainer Erlinger so ins Gespräch. Jedes Kapitel wird eingeleitet mit einem passenden Zitat aus der Kinderbuch-Weltliteratur, ergänzt wird das Ganze durch Zitate klassischer Philosophen und Leseempfehlungen.

“Gewissensfragen für große und kleine Menschen” heißt es im Untertitel. Genau!