Archiv vom November 2006

Extrembasteln


Antje von Stemm:
Extrembasteln
mit Krims Kramuri
Gerstenberg Verlag, 2006
ISBN 3-8067-5054-8
€ 14,90

Ich gebe es zu: auf den ersten Blick hat mir das Buch nicht besonders gefallen. Zu bunt, zu viel Durcheinander, zu modern (bin ich schon so alt?). Aber ich will ja nicht unfair sein. Also schauen wir doch mal genauer hin!

Die Rahmengeschichte? Habe ich nicht gelesen (mein Sohn findet sie nett) - aber sie dient ja auch nur zur “Verpackung” des eigentlichen Inhaltes, nämlich der Basteleien. Und damit kann das Buch wirklich glänzen!

Die “Extrembasteleien” (z.B. eine Spionagekamera, Hundekekse oder Wut-Abreagier-Kegel) haben meine Kinder begeistert, sie sind sehr gut beschrieben und realisierbar. Grundlagen, “Basisbasteln” genannt, werden in eigenen Abschnitten genau erklärt (Nähen, Heißkleben, Stempelschnitzen…), so dass auch ungeübte Kinder sich daranmachen können, zum Beispiel eine “kindgroße” Puppe oder eine Seilbahn zu “basteln”.

hell erleuchtet


Claudia Huboi, Sarah Marcon:
hell erleuchtet
22 Leuchten und Lichtobjekte
Haupt Verlag, 2006
ISBN 978-3-258-07086-5
€ 23,50

Können Sie sich vorstellen, dass man aus Paketschnur und einem Luftballon einen Lampenschirm machen kann? Oder aus einer hölzernen Weinkiste? Ich konnte es mir nicht recht vorstellen - aber es geht. Und nicht nur das, es werden sogar richtig schöne Lampen daraus!

Die Autorinnen beschreiben 22 Leuchten und Lichtobjekte aus verschiedenen Materialien (außer den schon genannten kommen noch Papier, Kunststoff, Textilien und Metall zum Einsatz). Alles ist so gut erklärt und fotografiert, dass man sofort an die Arbeit gehen möchte! Fehlte nicht im Arbeitszimmer schon lange eine schicke Leuchte?

Zeit des Wartens


Helmut Hirler:
Zeit des Wartens
Edition Panorama, 2006
ISBN 3-89823-300-6
€ 14,80

Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir mit Warten: Warten auf den Weihnachtsmann oder auf die Ferien schon in der Kindheit. Warten an der Kasse im Supermarkt, an der Ampel, beim Arzt oder vor anderen Terminen. Manchmal vielleicht warten auf den ersehnten Schlaf.

Und für einige Menschen kommt gegen Ende ihres Lebens eine Zeit des Wartens, in der sie fast nichts anderes mehr tun als zu warten - ohne eigentlich zu wissen worauf.

Der Fotograf Helmut Hirler hat einen Menschen in dieser Zeit begleitet, einen ganz besonderen Menschen: Seine Großmutter, bei der er aufgewachsen ist. Drei Jahre lang hat er sie mit der Kamera begleitet, hat ihr Leben im Altenheim beobachtet und dokumentiert, ganz aus der Nähe, aber ohne ihr je zu nahe zu treten.

Es ist ein sehr ergreifendes kleines Buch daraus geworden. Wir erleben die alte Dame, 91 Jahre alt war sie bei ihrem Tod, anfangs noch sehr lebenslustig, später dann zunehmend in die Demenz versinkend; am Ende steht der blumengeschmückte Sarg.
Memento mori, bedenke, dass [auch] Du sterben musst!

Tief im Hirn


Helmut Dubiel:
Tief im Hirn
Antje Kunstmann Verlag, 2006
ISBN 3-88897-451-8
€ 14,90

Lange schon liegt dieses Buch bei mir und wartet darauf, vorgestellt zu werden. Denn vorgestellt werden soll es, schließlich ist es wirklich ein interessant geschriebenes, gutes Buch. Aber wem soll ich es zur Lektüre empfehlen?

Was das Problem ist? Das Thema des Buches ist das Problem! Es geht nämlich um eine schwere, noch immer unheilbare Krankheit: Parkinson. Und wer möchte sich schon mit so etwas auseinander setzen? Wer (noch) nicht selbst, direkt oder indirekt, betroffen ist, wird sich wohl sagen: was geht es mich an?! Der Erkrankte aber und seine Umgebung hat vermutlich keine Lust, sich auch noch in einem Buch mit dieser allgegenwärtigen Last zu beschäftigen.

Trotzdem: es ist ein lesenswertes Buch, und es lohnt sich, es in die Hand zu nehmen! Der Autor, bereits im Alter von 46 Jahren erkrankt, beschreibt seinen persönlichen Weg mit Parkinson: Seine anfängliche Weigerung, die Symptome wahrzunehmen, seine zunehmende Akzeptanz und natürlich das Leben mit den Sonden “tief im Hirn”, die er sich als Therapie (sogenannte Tiefenhirnstimulation) hat implantieren lassen.

Wir Leser folgen ihm und ich habe viel dabei gewonnen: mehr Verständnis und Mitgefühl für Betroffene und mehr Dankbarkeit für meine eigene Gesundheit.

Window Seat


Julieanne Kost:
Window Seat
The Art of Digital Photography & Creative Thinking
O'Reilly Media, 2006
ISBN 0-596-10083-3
€ 35,- (ca.)

Die Idee wurde ursprünglich aus der Not heraus geboren, als Mittel gegen die Flugangst: nämlich während des Fluges vom Fensterplatz aus zu fotografieren. Daraus entwickelte sich dann das Projekt, fünf Jahre lang etwa 200 Tage im Jahr (ja, sie ist tatsächlich so oft unterwegs!) auf ganz gewöhnlichen Linienflügen aus ganz gewöhnlichen Flugzeugfenstern die Welt von oben darzustellen.

Jeder, der schon einmal versucht hat, dasselbe zu tun, weiß, wie schwierig es ist, dabei ein wirklich gutes Foto zu machen. Julieanne Kost ist das gelungen, und nicht nur einmal. Ein ganzes Buch kann sie mit wunderschönen und faszinierenden Fotos füllen! Und weil sie nicht nur Fotografin, sondern gleichzeitig Spezialistin für die Nachbearbeitung von Digitalfotos ist, erklärt sie uns nebenbei auch noch einiges über “Die Kunst der Digital-Fotografie & kreatives Denken”, wie es im Untertitel dieses leider (noch?) nicht übersetzten Buches heißt.